Yoga

… in ein paar (vielen) Worten

Yoga ist eine spirituelle Praxis, die über körperliche Bewegung, Atmung und die Konzentration wirkt. „Spirituell“ bedeutet zunächst einmal einfach „geistig“ – keine Esoterik hier.

Weil der menschliche Geist aber ein kompliziertes Ding ist, das sich nicht so gerne in Schubladen packen lässt, weil ich davon überzeugt bin, dass sich der Begriff „Leben“ nicht wissenschaftlich beschreiben lässt und weil ich glaube, dass der Mensch mehr als ein Duracell-Häschen ist (spult sein Programm mit viel Krach ab, bis die Batterie leer ist), darum kommt noch eine spirituelle Komponente dazu.

Mein Yogalehrer sagt dazu: „Es geht darum, svatma zu finden – unsere wahre Natur“ – und da hat er Recht. „Swatma“ („sva atman“ – das eigene atman) ist so etwas, wie die persönliche Verbindung zum Leben – das, was uns real werden lässt, was uns bewusst sein lässt und was uns mit einer unglaublichen Lebensfreude erfüllt (unabhängig von äusseren Umständen). Oder, in weniger Worten: Der Lebensfunke, der uns erfüllt und uns zu Lebewesen macht (im Gegensatz zu batteriebetriebenen Häschen).

Also doch Esoterik hier.

Warum interessiert mich das?

Eine Frage, die mich immer bewegt hat, ist: „Wozu ist das alles gut, das mit dem am Leben sein? Und wenn man weiss, wozu es gut ist, wie soll ich dann sein?“ – und ich vermute, dass ich damit nicht alleine bin.

Die Antwort unserer Gesellschaft darauf ist das: „Du bist (a), deshalb verhältst du dich (b) und kannst das über (c) variieren – das nennt sich dann Persönlichkeit und damit bist du (d)“

(a) kann man durch verschiedene Begriffe ersetzen: „Nerd“, „Softwarespezialist“, „Sohn“, „Ehemann“, „Angestellter“,  „Yogi“ und so weiter. Dies sind die Rollen, die man spielt.

(b) und (c) leiten sich aus aus (a) ab und sind Verhaltensmuster und Kommunikationsweisen – „schick angezogen“, „penibel“, „schlampig“, „extrovertiert“, „belehrend“, „sanftmütig“ und so fort.

(d) ist eine gesellschaftliche Wertung: „gut“, „wertvoll“, „nervig“- was auch immer. Damit wird letztlich ein „Platz im Leben“ beschrieben, den man bestmöglichst ausfüllen kann.

Was passiert aber, wenn die einzelnen Persönlichkeitsanteile Widersprüche beinhalten? In der Vielzahl der Rollen, die man so im Leben inne hat, sind Widersprüche vorprogrammiert: Ist das tatsächlich alles? Geht es nur darum, zu funktionieren? Geht es nur darum, alles möglichst richtig zu machen?

Und das ist der Moment für „svatma“ – jeder hat es, svatma ist unveränderlich, immer da und alles, was uns zu guten, liebevollen und liebenswerten Menschen macht. Im Kontakt damit lösen sich die Rollen auf und man muß nicht mehr rollengemäß verhalten. Spannend dabei ist, dass das kein gewaltsamer Ausbruch ist, mehr ein wegschmelzen und ein auflösen von Begrenzungen, ohne meine Arbeit schlechter zu machen, ohne ein schlechterer Ehemann, Bruder, Sohn, Nerd, Yogi zu sein. Im Gegenteil – alles wird leichter und selbstverständlicher, fliesst ruhig vor sich hin und kollidiert nicht mehr miteinander.

tldr;

Oder, ein ganzes Stück kürzer: Yoga bewirkt, dass ich nicht mehr ich selbst sein muß. (jaja, pointiert formuliert).